Welchen Einfluss haben Pornos auf unsere Beziehung?

Jeder kennt es aber angeblich Niemand macht es. Pornos schauen. Als ich 8 Jahre alt war habe ich durch Zufall meinen ersten „Erotikfilm“ im Fernsehen gesehen. Einer von denen, der immer im Nachtprogramm kam befand sich auf einer VHS von der ich dachte, darauf sei ein Trickfilm.

Nun muss Ich dazu sagen, dass ich in der DDR aufgewachsen bin, wo Nacktstrände eher die Regel als die Ausnahme sind. Als Kind empfand ich das als Normal. Von daher hatte dieser Film auch keinen besonderen Einfluss auf mich. Meinen ersten richtigen Porno habe ich, glaube ich (sicher bin ich mir da nicht wirklich), mit 12 gesehen. Heimlich mit den Jungs in einem Raum eingeschlossen und dann gemeinsam geschaut. Man könnte denken, dass das jeder Junge meiner Generation erlebt hat. Zumindest wird es so häufig in unseren Medien dargestellt.

Dort lesen wir häufig Sätze wie. „Durch Pornos haben wir ein völlig falsches Bild von Sexualität bekommen.“ „Frauen verkommen dabei als Objekt der Befriedigung von Männern.“ usw.  Ja, Pornos gibt es heute über all und jederzeit. Du brauchst nur einen Computer und eine Internetverbindung und los gehts beziehungsweise ein Smartphone. Pornos sind mittlerweile so „Mainstream“ geworden, dass sie aus unser Gesellschaft nur schwer wegzudenken sind. 

Warum schauen eher Männer Pornos?

Nun es ist kein Geheimnis, dass sich damit eine Menge Geld verdienen lässt. Gerade sogenannte Amateurfilme sind bei vielen sehr begehrt, weil Sie quasi den Sex von normalen Menschen abbilden. Sex sells. Nackte Haut verkauft sich schon seit langer Zeit, denn es ist auf der einen Seite tabuisiert, aber auf der anderen Seite gerade dadurch wieder unglaublich interessant. Gerade vor allem bei uns Herren der Schöpfung.

Fast 70% aller Männer schauen sich mindestens einmal die Woche einen Porno an. Bei Frauen sind es knapp jede fünfte. Eine große Überraschung. Nun Fragen sich viele Frauen zurecht, warum schauen sich so viele Männer häufig einen Pornofilm an? Vor allem auch dann wenn Sie in einer funktionierenden und erfüllten Beziehung sind?

Ich denke, darauf gibt es keine allgemein gültige Antwort. Vielen Männer nutzen Pornos natürlich für die schnelle Masturbation, denn es reduziert Stress. Manchen ist es auch schlichtweg ein Zeitvertreib. Allerdings ist meiner Meinung nach einer der häufigsten Gründe warum Männer Pornos schauen, einfach weil es uns unterhält. Wir finden es schön uns nackte Frauen anzuschauen und driften dabei in unsere Fantasien ab. Fantasie ist ein gutes Stichwort.

Wir können durchaus unterscheiden ob die Geschehnisse in den Filmen nun sehr realitätsnah sind oder eher fiktiv und das hat generell weniger damit zu tun wie wir über Frauen generell denken. Wir erleben dabei unseren eigenen Film und stellen uns vor mitten im Geschehen selbst zu sein. Bedeutet das, dass wir Frauen dadurch abwerten? Meiner Meinung nach nicht. Natürlich habe ich auch schon viele Pornos geschaut. Hat sich dadurch mein Weltbild von Frauen verändert? Nein, das hat es nicht. Sehe ich Frauen dadurch nur als Objekte meines Triebes? Nein, tue ich nicht.

Das Interessante aber ist, dass Frauen Pornos schauen nicht selten mit „Fremdgehen“ gleichsetzen wenn sich Männer Pornos anschauen. Oder sie zweifeln dadurch an der Beziehung weil Sie denken Sie würden den Mann nicht befriedigen bzw. der Mann hat kein Spass mit ihr. Ich lasse mich mal zu der These hinreissen, dass Pornos schauen rein gar nichts mit der Qualität der Beziehung zu tun hat. Ich kenne Männer die berichten mir von einem erfüllten Sexleben und einer tollen Beziehung und konsumieren trotzdem regelmäßig die schlüpfrigen Filme.

Frauen schauen sich auch hin und wieder einen Sexfilm an oder finden ihre Befriedigung in erotischer Literatur. Bücher wie Feuchtgebiete oder Fifty Shades of Grey, mittlerweile  auch verfilmte Bestseller, werden wesentlich mehr von Frauen gelesen bzw. manche Männer lese es ihren Frauen gerne vor. Daher denke ich, dass es gerade in Sachen der sexuellen Befriedigung bei Männern und Frauen, wenn dann, kaum wesentliche Unter-schiede gibt.

Wann wird der Pornokonsum zum Problem?

Obwohl ich mir auch schon viele Pornos angeschaut habe, bin ich der Meinung, dass Pornos weniger der Beziehung schaden, sondern generell für uns ein individuell ein Problem werden können, weil wir Sex beziehungsweise Befriedigung mit Orgasmus gleichsetzen. Dieses Orgasmusdenken verwechseln wir mit Intimität und gutem Sex, denn wir gehen fälschlicherweise davon aus, dass wir nur dann guten Sex haben wenn beide Partner zum Orgasmus kommen. Das vermittelt uns schließlich der Porno.

Das heisst unser Kopf pflanzt uns Gedanken ein, die unser Sexleben behindern. Anstatt in unseren Körper zu kommen und unseren Partner wirklich zu fühlen und wahrzunehmen überlegen wir eher: Welche Stellung kommt jetzt als nächstes? Fühlt es sich so gut an? Warum stöhnt sie oder er nicht? Und so weiter. Wenn es als darum geht sich in voller Intimität, Hingabe und Gefühl meinem Partner zu öffnen, dann sollten wir Abstand von Pornos nehmen.

Pornos können allerdings auch leicht als Rechtfertigung genommen werden, warum es  in der Beziehung nicht funktioniert. Die Frage ist dann allerdings: Liegt das wirklich am Sexfilm an sich oder steckt etwas anderes dahinter, weil selbst wenn keiner von beiden jemals ein Porno geschaut hätte, würde die Beziehung dann besser sein? Eher nicht. Häufig höre ich auch Sachen wie: „Wenn er Pornos schaut, dann kann ich ihm nicht mehr vertrauen.“ Meiner Meinung nach haben Pornos nichts mit Vertrauen zu tun. Letztlich geht es darum, dass ihr als Paar gemeinsam darüber sprecht, wenn es einen von euch wirklich stört.

An die Damenwelt: Liebe Frauen. Ihr seid so wundervolle und tolle Wesen. Und wir Männer sind einfach nur unglaublich dankbar, dass es euch gibt. Ihr schadet euch eher selbst, wenn ihr anfangt euch mit den Frauen im Film zu vergleichen oder dass ihr euch nun unter Druck gesetzt fühlt, weil ihr nicht das macht was die Damen dort zeigen.  Jeder Mann der bei klaren Verstandes ist vergleicht nicht und würde das auch nicht von euch verlangen, denn er kann zwischen Realität und Fiktion durchaus unterscheiden. Und wenn ja, dann ist er einfach ein Idiot. Was aber nicht am Porno selbst liegt sondern ein generelles Problem ist was er hat.

Was gilt es zu tun?

Generell schauen wir uns ja Pornos für uns privat an. Das bedeutet warum bei unserem Partner in dessen Privatsphäre schnüffeln? Das findet niemand toll. Wenn wir als Männer wieder lernen was es heisst in unseren Körper zu kommen, dann können wir den besten und längsten Orgasmus unseres Lebens allein durch Berührungen bekommen. Findet es doch gerne als Paar gemeinsam heraus.

Kommunikation ist für alles in einer Beziehung ein unverzichtbares Tool. Sprecht darüber.

Vor allem dann, falls ihr unzufrieden mit eurem Sexleben seid. Wie schön ist es denn wenn man gemeinsam neue Dinge ausprobieren kann und neue Wege geht.  Habt gemeinsam Spass und seid ehrlich zu einander. Einige Pärchen schauen sich gerne Pornos gemeinsam an um daraus Inspiration zu sammeln. Wenn es funktioniert, dann ist das doch vollkommen okay. Guckt bitte genau hin ob das „Problem“ wirklich der Pornokonsum ist oder ob etwas anderes dahinter steckt.

Für uns Männer. Meidet die Sexfilme Jungs. Ihr wisst nicht was euch entgeht wenn ihr  wieder anfangt eure Partnerin bewusst wahrzunehmen, wirklich zu spüren und euch Zeit zu lassen. Natürlich darf es auch einmal die „quick & dirty“ Nummer sein. Aber grundsätzlich entsteht wirkliche Intimität und Verbindung zu unserer Partnerin nur über das bewusste Einlassen. 

2 Kommentare
    • Timm Hoffmann
      Timm Hoffmann says:

      Hallo Larissa :). Vielen Dank für dein liebes Kommentar. Ja ich denke, dass dieses Thema gerade in der heutigen Zeit sehr einseitig und stigmatisierend betrachtet wird. Ich habe auch eine Podcastfolge zu dem Thema aufgenommen. Die ist zwar auf Englisch aber vielleicht interessant für dich. Liebe Grüße, Timm

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